DEUTSCHLAND-Tagebuch: 11/01/16 – Der Wendepunkt für Flüchtlinge in Deutschland

Autoren betrachten kleine und große Ereignisse, die dieses Land prägen und nicht in der täglichen Nachrichtenflut untergehen sollten. Persönliche und politische Gedanken. Ein deutsches Tagebuch.

Von Tarek Khello. Der syrische Journalist kam 2013 als Flüchtling nach Deutschland, wo er seither lebt. In Syrien berichtete er für Online- und Printmedien über den Protest gegen das Assad-Regime und den Krieg

debattiersalon: Deutschlandfahne, schwarz-rot-gold,Marion Kraske @ 2014Die in Köln verübten sexuellen Übergriffe gegen Frauen sind furchtbar. Ihr Ausmaß ist furchtbar. Sie erfolgten überraschend. Das waren nicht nur Angriffe gegen Frauen, sondern es sind ebenso Angriffe gegen jeden einzelnen arabischen Bürger und Geflüchteten in Deutschland. Jeder wird nun auf die Anklagebank gesetzt. Bisherige Berichte über die Vorfälle sexueller Gewalt am Kölner Dom werfen viele Fragen über die Tatverdächtigen auf. Was sind Ziel, Nutzen und Hintergrund der Taten? …[ mehr ]

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DEUTSCHLAND-Tagebuch: 18/12/15 – NSU xy ungelöst

Autoren betrachten kleine und große Ereignisse, die dieses Land prägen und nicht in der täglichen Nachrichtenflut untergehen sollten. Persönliche und politische Gedanken. Ein deutsches Tagebuch.

Von Michael Kraske

debattiersalon: Deutschlandfahne, schwarz-rot-gold,Marion Kraske @ 2014Neulich, als Beate Zschäpe in München ihre Nichts-gewusst-nichts-gemacht-Aussage verlesen ließ, schwappte die Aufmerksamkeit noch einmal kurz hoch. Genau genommen waren viele Journalisten aber nicht an den vielen ungeklärten Fragen zum NSU-Komplex interessiert, sondern vor allem an Beate Zschäpe, an ihrem Haarschnitt, an ihrer Befindlichkeit. Abends wurde bei Anne Will ein bisschen getalkt. Die unvermeidliche Gisela Friedrichsen fabulierte in Kennerpose über Zschäpes Beweggründe für ihre Aussage, aber als NSU-Nebenkläger Mehmet Daimagüler Fragen nach institutionellem Rassismus bei der Polizei und ausbleibenden Konsequenzen stellte, reagierte die Runde verschnupft. Jetzt hat der zweite Untersuchungsausschuss des Bundestages – NSU-Terrorgruppe II – seine Arbeit aufgenommen. Im vorweihnachtlichen Nachrichtenrauschen war das nur Treibholz. Die Medien sind müde vom NSU. Die Leute auch. Dabei gibt es viele verstörende Gründe, hellwach zu sein, weiter zu wühlen, Antworten einzufordern. …[ mehr ]

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DEUTSCHLAND-Tagebuch: 17/12/15 – Wie man erfolgreich eine Demokratie zerlegt

Autoren betrachten kleine und große Ereignisse, die dieses Land prägen und nicht in der täglichen Nachrichtenflut untergehen sollten. Persönliche und politische Gedanken. Ein deutsches Tagebuch.

Von Michael Kraske

debattiersalon: Deutschlandfahne, schwarz-rot-gold,Marion Kraske @ 2014Am Wochenende hat es in meiner Stadt gebrannt. Ein versprengter Haufen Neonazis kam, um in Connewitz, Leipzigs alternativem Süden, zu provozieren. Da, wo es bunt ist und lebenswert. Und in den Straßen drum rum haben junge, sich selbst für links haltende Gewalttäter nur darauf gewartet zu randalieren. Sie haben Mülltonnen angezündet und Steine geworfen. Gegen Polizisten und Autos und Häuser. Sie haben sich ausgetobt, etliche Menschen verletzt, zerstört. Gewalt war das Ziel, und sie haben damit nicht nur Menschen verletzt und in Gefahr gebracht, die sie in verquasten Pamphleten „Schweine“ nennen, sondern sie haben auch jenen Demokraten geschadet, die sich den Neonazis friedlich entgegen stellen wollten. Soll im Nachhinein keiner von Provokation faseln und davon, das sei nur passiert, weil nicht in Sicht- und Hörweite zu den Neonazis demonstriert werden durfte. Wer sich in einer Demokratie, so fehlerhaft sie und ihre Institutionen auch sein mögen, aufführt, als müsse er gegen eine totalitäre Diktatur in den Bürgerkrieg ziehen, ist ein Feind der Demokratie. …[ mehr ]

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DEUTSCHLAND-Tagebuch: 11/12/15 – Der Hass ist bei den Kindern angekommen

Autoren betrachten kleine und große Ereignisse, die dieses Land prägen und nicht in der täglichen Nachrichtenflut untergehen sollten. Persönliche und politische Gedanken. Ein deutsches Tagebuch.

Von Michael Kraske

debattiersalon: Deutschlandfahne, schwarz-rot-gold,Marion Kraske @ 2014Achtklässler quälen Flüchtlingskinder in einer Schule. Sie schubsen und spucken, werfen mit Steinen, klemmen sie in Türen ein. Ein neun- und ein 14-Jähriges Mädchen erleiden Quetschungen, eine Knochenabsplitterung. Notarzt, ein Gipsarm. Warum? Weil sie es wagten, an der Pestalozzi-Oberschule in Wurzen, Sachsen, einen Deutschkurs zu besuchen. Deutsche Kinder quälen ausländische Kinder, weil sie fremd sind und nicht hier sein sollten. Der Hass, der jeden Montag in Dresden und anderswo durch die Straßen zieht, ist bei den Kindern angekommen. Innerhalb weniger Wochen mehrere Taten in dieser Schule. Was haben die Lehrer gemacht? Warum hat niemand eingegriffen, als noch kein Knochen gesplittert war? Was passiert jetzt mit den jungen Tätern? Die Polizei erklärt, die Schulleitung halte Gespräche mit deren Eltern für sinnlos. Ja, der Hass muss irgendwo her kommen, wird gezüchtet, wächst nicht von allein. Was tun mit Eltern, die mit Flüchtlingskindquälen kein Problem haben? Wie deren Kindern Respekt und Mitgefühl und Anstand beibringen? …[ mehr ]

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So würde die EU sich für Flüchtlinge interessieren

debattiersalon | So würde sogar die EU sich für Flüchtlinge interessieren | Karikatur von Katharina Greve © 2015  | Mittelmeer, Frontex, Flüchtlinge, Mare Nostrum, Bundesliga© Katharina Greve

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Massengrab Mittelmeer: Die Schande der EU

Von Marion Kraske

Nein, das ist es nicht, was wir wollen. Und das ist es nicht, was Deutschland, was Europa braucht. Politiker, die so tun, als ob sie sich um „humanitäre“ und andere Katastrophen sorgen, die große Kulleraugen machen, wenn wieder einmal ein Schiff mit Hunderten von Flüchtlingen kentert, die ihr großes Bedauern ausdrücken und ernst, sehr ernst in die Kamera blicken – und im gleichen Atemzug Maßnahmen beschließen, die die Lebensumstände von Flüchtlingen weiter verschlimmern. Bis zum Tod.

Im Falle des beendeten italienischen Seenotrettungsprogramms “Mare Nostrum” ging es genau darum: EU-Politiker, allen voran der deutsche Innenminister, setzten sich nach einer Reihe von tödlichen Unfällen auf dem Mittelmeer an einen dieser langen wichtigen Tische in Brüssel und beschlossen: So kann es nicht weiter gehen. Man könne nicht dauerhaft so viele Menschen im Mittelmeer retten, weil dadurch – so die perfide Logik – Hilfestellung für Schleuser geleistet würde. Mit gezielten Seenotmaßnahmen würden noch mehr Menschen den gefährlichen Weg über das Mittelmeer nehmen. …[ mehr ]

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Frankreich-Wahl: Nichts verstanden!

Von Sebastien Martineau

Die Wahlergebnisse in Frankreich sind eine Überraschung. Ach ja? Sagt wer? Wer ist der Experte, der seit Sonntag die deutschen Medien inspiriert? Kurz nach der Wahl basierten die Kommentare immer noch auf Ziffern und Umfragen. Und Angst. Und sehr wenig auf einem echten Verstand vom französischen Wahlsystem und von der politischen Dynamik dort. Ein paar wesentliche Punkte sollte man erklären. …[ mehr ]

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DEUTSCHLANDBILD: German-Wald-Angst

Politblog debattiersalon | DEUTSCHLANDBILD: Ein ganz besonderer Gartenstuhl - oder ist die German Angst schon im Wald angekommen? | Foto: Marcus Müller © 03/2015Ist das jetzt noch die Liebe zum “Freiluft-Wohnzimmer“, eine Spielart des Sonnenliegen-mit-Handtüchern-Blockierens oder German Angst im Wald? Jedenfalls ist es im Berliner Umland in den Wäldern sicher – für Gartenstühle.                  Foto © Marcus Müller

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Die große Deutschen-Lüge – Schluss damit!

Von Marion Kraske

Der Rat für Migration hat jüngst eine wegweisende Äußerung getan. Im lautstarken PegidaLegida-Geheule, im Windschatten einer immer dramatischer werdenden Ukrainekrise, im Dauer-Hickhack um eine Stabilisierung des klammen griechischen Haushaltes ging sie allerdings unter wie eine Sylvester-Böller, der ohne größere Wirkung am Himmel verpufft. Dennoch war die Äußerung des Expertengremiums in vielfacher Hinsicht bemerkenswert, räumt sie doch in großer Klarheit mit jahrzehntelangen Selbstlügen made in Germany auf.

Mit Blick auf die inzwischen zerfaserte Pegida-Bewegung forderte der Rat nachdrücklich, in Deutschland ein neues Leitbild zu entwickeln. Die Interpretation des so schlicht wie komplizierten Identitätsstempels „Wir Deutsche“ bedürfe dringend einer Frischzellenkur, so die Forderung der Experten. http://www.tagesschau.de/inland/migrationsrat-pegida-101.html

In der Tat schiebt Deutschland seit Jahrzehnten ein seltsam unrealistisches Selbstbildnis vor sich her, gleich einer kostbaren Monstranz, die nur ja nicht zu Boden krachen und den schönen Schein zerdeppern durfte. Deutsche, so die Vorstellung einer prägenden Masse im öffentlichen Diskurs, sollten jene sein, die zwischen Duisburg und Dresden, zwischen Füssen und Flensburg lebten, und das bitt schön seit Generationen. Deutscher Opa, deutsche Oma, deutscher Uropa, deutsche Uroma. Deutscher Grünkohl. Deutscher Dackel. Das höchste Zugeständnis an die Welt da draußen: Ab und zu nen Döner. Und einmal im Jahr ab nach Malle. …[ mehr ]

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Ukraine-Krise: Der verfahrene Konflikt

Von Prof. Frank Golczewski

Wie schon im September 2014 hofft man, dass in der Ostukraine nun die Waffen schweigen werden. Ob es dazu kommt und wie die Lage sich dann konsolidieren könnte, das sich vorzustellen, fehlt im Augenblick die Phantasie. Es gibt zu viele Variablen, zu viele unbekannte Hintergedanken auf allen Seiten, um seriös etwas vorhersagen zu können. Man kann aber das, was bisher geschah, Revue passieren lassen und sich dazu einige Gedanken machen.

Gerade wird der Jahrestag des Majdan-Umsturzes begangen, aber es wird eine selbstkritische Schadensanalyse vorgenommen, die aufzeigen würde, wie beide Seiten des russisch-ukrainischen Konflikts einerseits bewusst eskalierten, andererseits jegliche deeskalierenden Versuche bewusst ignorierten. In Kiew sucht man die Schuld bei Russland und unternimmt keinen Versuch, die Radikalen im eigenen Land zu bändigen (die etwa von einem Feldzug zur Rückeroberung der Krim träumen). In Russland wird nach sowjetischem Demonstrationsmuster unter der Überschrift „Anti-Majdan“ eine Kundgebung gegen Staatsstreiche veranstaltet, so als ob die Ukrainer versucht hätten, die Macht in Russland zu übernehmen. Die russischen Machthaber geben damit aber wenigstens zu, dass sie mit einer Opposition im eigenen Land rechnen. …[ mehr ]

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