Die Sündenpfuhle der Katholischen Kirche: Geld und Frauen

Von Uta Ranke-Heinemann

Uta Ranke-Heinemann | debattiersalon | Foto: Sven Wolter, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia CommonsBei der Reformation Luthers vor 500 Jahren ging es um zwei große Themen: Geld und Frauen. Die deutschen Fürsten fanden es unerträglich, daß so viel Geld zum Bau des Petersdoms von Deutschland nach Rom floß und zwar gemäß den Worten des Mönches und Ablaßhändlers Tetzel: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer in den Himmel springt.”

Und Luther heiratete die aus einem Kloster entflohene Katharina von Bora. Die Folge war eine riesige Welle von Priesterheiraten weltweit und die Entstehung der evangelischen Kirche, in der alle Pfarrer heiraten können und Frauen Bischöfinnen werden.

Die Deutschen ertragen den riesenhaften Geldfluß

Heute fließt mit der vom Staat eingezogenen Kirchensteuer noch viel mehr Geld nach Rom als damals zur Zeit Luthers, was aber die Deutschen inzwischen widerspruchslos ertragen. Gegen die vom deutschen Staat eingezogene Kirchensteuer und die hohe Bezahlung der Bischöfe und Kardinäle seitens des Staates wehren sie sich nicht.

Lediglich wenn sie auf Photos die 31, wahrscheinlich 40 Millionen teuren Bauten und Anschaffungen des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst sehen oder von ihnen hören, von denen das erste, was sie sehen, aussieht wie ein dunkler, fensterloser Hochsicherungstrakt für Schwerstverbrecher, und wenn sie dann auch noch von all den anderen teuren Anschaffungen, die sie nie sehen werden, Kenntnis erhalten: Badewannen für 15000 Euro usw. usw., dann ist ihr Zorn groß – mit Recht – gegen den Bischof von Limburg, den Verschwender ihres Geldes.

Aber über diesem berechtigten Zorn über den Bischof von Limburg und seine Verschwendung tritt bedauerlicher Weise die Debatte über die 2000-jährige Vertreibung und Abwertung der Frauen völlig zurück. Die katholische Kirche hat seit fast 2000 Jahren die Frauen zu Gebärmaschinen degradiert. Ihr Hauptlehrer Augustinus (+ 430) sagt: “Wenn die Frau nicht zur Hilfe des Kindergebärens dem Mann gegeben ist, zu welcher Hilfe dann? Zu allem (!) anderen ist doch der Mann dem Mann eine bessere Hilfe. Wieviel angenehmer ist es, wenn zwei Freunde zusammen wohnen, als wenn Mann und Frau beeinander wohnen.”

Der Vatikan: Ein frauenloses Biotop

Fest steht: Jesus war in der katholischen Kirche der letzte Freund der Frauen. Heute besteht das katholische Christentum in seinem Kern nur noch aus einem einzigen Geschlecht – der Vatikan ist ein frauenloses Biotop, ein Junggesellenreservat, in das nur die Jungfrau Maria noch Zutritt hat. Alle anderen Frauen kommen dort nur mit dem Staubsauger nach oben.

Auch wenn mit Papst Franziskus I. nun ein Papst gewählt wurde, der in seiner Schlichtheit und Sorge für die Armen vorbildlich ist, wird sich bezüglich Frauen- und Sexualfeindlichkeit NICHTS ändern. Und zwar garnichts. Und in der Tat: als allererstes dankte er seinem Vorgänger, Papst Benedikt XVI., und machte damit seine Linientreue deutlich. Anschließend flüchtete er in die Obhut der Jungfrau Maria.
Schuld an der totalen Verdrängung der Frauen in der Kirche ist das Phantombild der “Jungfrau UND Mutter Maria”, das die maßgeblichen Theologen der frühen Kirche, die “Kirchenväter”, geschaffen haben. Weil diese Theologen, vor allem Augustinus, Hieronymus, Ambrosius, den Zölibat (auch “Jungfräulichkeit” genannt), so schätzten und Abscheu vor Sexualität hatten, machten sie Maria zur Jungfrau, obwohl Maria außer ihrem Sohn Jesus vier namentlich genannte Söhne und mehrere nicht namentlich genannte Töchter hatte. Die “Jungfrau Maria” wurde zum Vorbild aller Frauen gemacht.

Die totale Marianisierung des Christentums erfolgte dann in zwei Stufen. Um mit der 2. Stufe anzufangen: sie erfolgte unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI.. Die 1. Stufe der Total-Marianisierung erfolgte im 19. Jahrhundert: 1854 wurde nämlich das Dogma der “Unbefleckten Empfängnis Mariens” verkündet. Dieses Dogma ist dem modernen Menschen hauptsächlich deswegen bekannt, weil er es ständig mit der Jungfrauengeburt verwechselt. 99,9 Prozent der Katholiken glauben, das Dogma beziehe sich auf den Augenblick, an dem Maria ihren Sohn Jesus empfangen hat. Es bezieht sich aber auf den Augenblick, an dem Maria empfangen wurde, und zwar einmaliger Weise ohne daß dabei die befleckende, beschmutzende Erbsünde auf Maria übertragen wurde.

Einzig und allein sie im Unterschied zu allen anderen Menschen, die durch den Geschlechtsakt der Eltern befleckt, beschmutzt empfangen und geboren werden: wurde Maria unbefleckt empfangen und geboren, d.h. ohne Erbsünde. Was diese Erbsünde, die durch die Lust des Geschlechtsakts der Eltern übertragen wird (außer bei Marias Eltern Joachim und Anna) bedeutet, beschreibt der Neue Weltkatechismus, 1992, Nr. 1237 und Nr. 1243: Alle Kinder (außer Maria) sind im Mutterleib vom Teufel besessen und werden erst durch die Exorzismen der Taufe vom Teufelskind zum Gotteskind. Papst Benedikt XVI. setzte wieder weltweit Exorzisten ein, um den Teufelsaberglauben zu stärken, nachdem er gerade im Schwinden begriffen war.

Die Minderwertigkeit der Frau

“Maria ist”, wie Kardinal Tarcisio Bertone, der Staatssekretär von Papst Benedikt XVI. am 13. 9. 2006 im Telepace Fernsehn sagte: “fruchtbar und DOCH rein”. Und alle katholischen Frauen singen Weihnachten in dem Jahrhunderte alten Lied: “Es ist ein Ros entsprungen”: “Hat sie ein Kind geboren, und blieb DOCH reine Magd.” 2000 Jahre Frauengeringschätzung haben nämlich in den Gehirnen vieler katholischer Frauen derartige Schäden hinterlassen, daß sie jede Weihnacht ihre eigene Beschmutzung und Minderwertigkeit besingen.
Luther beendete die Sexual- und Frauenfeindlichkeit

Und so erlebte ich zwei Monate nachdem ich auf der Suche nach der großen Toleranz am 25. Oktober 1953 katholisch geworden war und, wie die Engländer sagen, von der Bratpfanne ins Feuer fiel, in München meinen ersten katholischen Schock. Denn das Lied “Es ist ein Ros entsprungen”, das wir vier Kinder meiner geliebten evangelischen Eltern jede Weihnacht so fröhlich gesungen hatten, nämlich so: “Hat sie ein Kind geboren wohl zu der halben Nacht”, lautete bei den Katholiken total anders: “Hat sie ein Kind geboren und blieb DOCH reine Magd.” Seit der Reformation, seit der Priester und Mönch Luther eine Nonne geheiratet hatte, wurde nämlich das Lied bei den evangelischen Christen geändert in: “Hat sie ein Kind geboren wohl zu der halben Nacht”. Die Sexual-und Frauenfeindlichkeit wurde bei den Protestanten dank der Hochzeit des Mönches Luther mit der Nonne Katharina von Bora beendet.

Der katholische Glaubensvollzug der Frauen, da ihnen die Jungfrau Maria Vorbild sein soll, wird bei den Katholiken den Frauen unmöglich gemacht. Denn wie bitte soll eine Frau sich in Maria wiedererkennen, wenn in der Lauretanischen Litanei Maria als die mater inviolata, auf deutsch: o unversehrte Mutter besungen wird? Dabei ist unversehrt eine zu harmlose Übersetzung des Wortes inviolata. Ich schaute im lateinischen Lexikon nach: Laut lateinischem Lexikon sind alle anderen Mütter außer Maria als matres violatae das, was das Wort violatae bedeutet, das heißt, sie sind solche, denen Gewalt angetan wurde, die mißhandelt, besudelt, befleckt, verletzt, geschändet und entweiht wurden. Violatae kommt nämlich nicht von viola = Veilchen, sondern von vis = Gewalt, also allenfalls von Veilchenauge. Gemäß Lauretanischer Mütterbeschädigungs-Litanei wurde also allen anderen Müttern Gewalt angetan, und alle Väter sind bei frommem Licht besehen Vergewaltiger.

Am 25. März 2010, dem 25. Jubiläum des Weltjugendtages, als 70.000 Jugendliche auf dem Petersplatz in Rom sich versammelt hatten, warnte Papst Benedikt die Jugend “vor drei Dingen: Sex, Drogen und Alkohol”. Junge Pärchen guckten plötzlich ganz erschrocken, weil der Papst Sexualität mit Drogen und Alkohol verbunden hatte und die Ehe nicht einmal erwähnte. Die Weltjugendtage sind aber dazu da, unter den Jugendlichen für den aussterbenden Priesterberuf zu werben und die leeren Klöster wieder mit Mönchen und Nonnen zu füllen.

Gebärmaschinen und Ohrsex

Auch Papst Franziskus küßt am laufenden Band die Kleinstkinder. Ja, Frauen als Gebärmaschinen sind weiterhin gefragt , denn wie sollten sonst die Priester-Mönche-Nonnen entstehen? Aber ansonsten haben Frauen in der katholischen Kirche keine Bedeutung oder gar Stimme. Und zwar überhaupt keine. Und wenn sie bei den Worten des Glaubensbekenntnis: “Empfangen vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria” laut sagen, daß die Empfängnis nicht vom “Vom Hl. Geist” erfolgen kann, sondern durch einen Mann, also im Fall von Maria durch Josef, werden sie exkommuniziert.

Ich finde, die katholische Kirche ist nicht der richtige Ort für Frauen, die nur gebären dürfen, und nichts zu sagen haben. “Lustgefühle, wie sie bei der Prostituierten empfunden werden, sind bei der Gattin verdammenswert” (Kirchenvater Hieronymus (+ 419/420). Kondome sind nur für “männliche Prostituierte” erlaubt (Papst Benedikt XVI. in seinem Buch “Licht der Welt”, 2010 Seite 146).

Bezüglich Empfängnis kam Papst Benedikt zu einem für uns völlig neuen Ergebnis, das einer Eingewöhnung bedarf: Der OHRSEX. Er schreibt in seinem Buch über die Kindheit Jesu Seite 46: Maria habe ihren Sohn durch ihr Ohr empfangen, durch ihre Worte zu dem Engel: “Mir geschehe nach deinem Wort.” Durch ihren Gehorsam also sei sie Mutter geworden. Die Gynäkologen können jetzt ihre Praxis schließen und werden durch Hals-Nasen-Ohrenärzte ersetzt. Der Ohrsex als Durchbruch in der Sexualforschung in der neuen Vatikanstudie des Buches von Joseph Ratzinger/ Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, 2012.

Univ.-Prof. Dr. theol. Uta Ranke-Heinemann war die erste Frau der Welt, die eine Professur für katholische Theologie erhielt (1970) und die erste Frau der Welt, die sie wieder verlor (1987), weil sie an der Jungfrauengeburt zweifelte. 1953/54 war sie in München Studienkollegin von Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI. Interessierte finden weitere Ausführungen der Autorin zum Thema in den erweiterten Neuausgaben der beiden Bücher: “Eunuchen für das Himmelreich. Katholische Kirche und Sexualität. Von Jesus bis Benedikt XVI.” und “Nein und Amen. Mein Abschied vom traditionellen Christentum”, beide erschienen im Heyne-Verlag.

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2 Antworten auf Die Sündenpfuhle der Katholischen Kirche: Geld und Frauen

  1. vindex niger sagt:

    Luther war selbst nicht gerade ein Freund der Frau, auch wenn er eine heiratete. Frauenfeindliche Aussagen findet man auch bei Luther und Pastorinnen gab es in der lutherischen Kirche erst nach dem zweiten Weltkrieg. Man kann schreiben, daß die Lutheraner trotz des Sexismus ihres Gründers viel eher Frauen als Menschen anerkannten und gar als Pfarrer einsetzten. Die Sexualfeindlichkeit trieben gerade die Protestanten zur Meisterschaft, Puritaner, Amish, … und Evangelikale sind alle Erben des Bibelfundamentalismus der Reformatoren. Ich erinnere mich gut daran, daß im evangelischen Religionsunterricht immer Loblieder gesungen wurden, weil Luther alle Macht der Bibel gab, obgleich ich nie wirklich verstand, welchen Vorteil eine menschenfeindliche Schrift gegenüber einen menschenfeindlichen Theokraten bringt außer den Willen all die üblen Stellen zu verstecken und zu ignorieren, solange man sich in erhabener Selbstgefälligkeit und Einbildung suhlen kann und sich als Friedensreligion bezeichnen will. Als Apostat hat man auch im Christentum nichts zu lachen.

    Die katholische Kirche hat aus ihrer Frauenfeindlichkeit ein System gemacht und dieses theologisch begründet, ob sie nun Frauen als dumme, kleine, sündhafte Kinder
    darstellte, die dann auch für die Vergebung von Sünde weniger bezahlen mußte, aber weniger wert war, Frauen zu töten war eine geringere Sünde als einen Mann zu töten,
    oder als Ursünderin und Ursache der Erbsünde. Das Zölibat war nie etwas anderes als die Gier der Kirche nach dem Eigentum ihrer Priester, eine Gier, die man im Namen des Glaubens und der Kriche auch noch versuchte zu rechtfertigen, aber wie das Turiner Gabtuch und Gebeine angeblicher Heiliger zeigen, solange es dem Glauben dient, sind Lug und Trug erlaubt und erwünscht. Obgleich Nonnen ja mehr oder weniger symbolisch mit ihren Heiland verheiratet werden, also eine Ehe ohne praktisch ausgelebte Sexualität führen.

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